Bereits seit einiger Zeit flammt diese Diskussion immer wieder auf. Auch bei FFF gibt es sie häufig zwischen denen, die den Klimaschutz auch in der Marktwirtschaft für möglich halten und denen, die einen radikalen Systemwechsel zu einem nichtkapitalistischem System für unumgänglich halten. Doch wer hat recht? Kapitalisten oder Antikapitalisten?

Schauen wir zunächst auf die, für welche wirksamer Klimaschutz nur mit einem Systemwechsel machbar ist. Bei Fridays for Future vor allem durch die antikapitalistische Plattform „Change for Future“ vertreten. Auch andere, radikalere Organisationen der Klimabewegung, beispielsweise „Ende Gelände“ unterstützen den antikapitalistischen Weg.

Sie argumentieren vor allem damit, dass es im Kapitalismus nur darum geht Profite zu steigern und ein immer stärkeres Wachstum zu generieren. Klimaschutz steht der Gewinnmaximierung dabei nur im Weg und wird dementsprechend ignoriert.

Doch wenn es um die Frage geht, wie denn ein postkapitalistisches System aussehen sollte wird es häufig sehr unkonkret. Der Punkt hierbei ist, dass es schlichtweg keine realistischen Alternativen zur Marktwirtschaft gibt. Alle Staaten, welche sich an einem planwirtschaftlichen System versucht haben, sind gescheitert. Bis auf wenige Ausnahmen, welche sicher keine lebenswerte Alternative darstellen, nehmen heute alle Länder an einer globalen Marktwirtschaft teil. Es wäre unrealistisch zu glauben, dass sich ein Land wie Deutschland, welches massive auf den Export und so mit auf eine Interaktion und Teilname am internationalen Markt angewiesen ist von diesem System verabschieden würde. Was ich damit sagen möchte, wahrscheinlich wäre ein nicht kapitalistisches System in der Theorie möglich, wenn der Großteil der Länder auf der Welt sich auf dieses System einigt. Doch diese Theorie ist mehr als unrealistisch. Wenn sich einzelne Länder vom Markt verabschieden fügen sie vor allem sich selbst massiven wirtschaftlichen Schaden zu, werden aber die globale Marktwirtschaft dadurch weder verändern, noch abschaffen.

Zusammenfassend lässt sich hier sagen, dass eine Abkehr von der Marktwirtschaft schlichtweg keine realistische Alternative. Doch was heißt das? Ist der Kapitalismus also das absolut richtige System?

Ganz Klar, Nein! Ein unkontrollierter Kapitalismus ist sicher kein nachhaltiges System und ist in der Ökologischen Dimension genauso fatal wie in sozialen Fragen. Die Theorie des Kapitalismus und dem damit einhergehenden absolut freien Markt wurde beispielsweise von dem Ökonomen Milton Freeman vertreten. Seiner Meinung nach würde das Wirtschaftssytem am besten funktionieren, wenn jeder seinen eigenen wirtschaftlichen Zielen nachgeht ohne dabei vom Staat durch Regeln eingeschränkt zu werden. Wohlstand würden laut ihm alle erlangen, weil sich, wenn jeder versucht seinen ökonomischen Erfolg zu generieren der Wohlstand durch eine, wie er es nannte „invisble hand“, gleichmäßig verteilen würde. Diese Ansicht ist falsch. Es scheitert schon alleine an den unterschiedlichen Bedingungen unter denen jeder Mensch lebt und aufwächst. Dazu spielen soziale und ökologische Dimensionen in dieser Theorie keine Rolle, sie ist nur darauf ausgerichtet das jeder versucht so viel Geld wie möglich zu verdienen. Als bestes Beispiel für diesen entfesselten Markt kann man die USA nehmen. In dem Land wird das Recht auf Freiheit auch gerne als absolute Freiheit des Marktes angesehen. Auch das ist falsch. Denn so versuchen Unternehmen so günstig wie möglich zu produzieren, wobei der Umweltschutz und auch Soziales immer zu kurz kommt. Dass die Folgekosten, welche mangelnder Umweltschutz verursacht weitaus höher sein werden, wird dabei gerne ignoriert vielleicht auch, weil die Folgen außerhalb der Lebenszeit vieler Konzernchefs liegen. Auch der versprochene Wohlstand bleibt in einem absolut kapitalistischem System gerne aus. Häufig entsteht nur eine ungleiche Verteilung und eine Vergrößerung der Schere zwischen arm und reich.

Wohlstand neu definieren

Apropos Wohlstand, vielleicht wäre es durchaus an der Zeit sich zu überlegen was Wohlstand überhaupt ist. Oft kommt nämlich das Gefühl auf, dass in der Ansicht vieler Ökonomen und auch wirtschaftsliberaler Politiker Wohlstand immer etwas mit viel und am besten immer mehr Geld zu tun hat. Als besten Beispiel hierfür kann man das BIP nehmen. Das BIP oder auch Bruttoinlandsprodukt gibt an, wie viel Geld in einem Jahr in einem bestimmten Land insgesamt erwirtschaftet wurde. Gerne wird ein steigendes BIP als wichtigster Indikator für steigenden Wohlstand interpretiert. Sicher hat Wohlstand auch etwas mit Geld zu tun, aber finanzielle Fragen sind nicht das einzige, was für eine hohe Lebensqualität wichtig ist. Und damit ist das BIP als alleiniger Indikator für Wohlstand, wenn wir Lebensqualität gleich Wohlstand setzen, ungeeignet.

Ein gutes Beispiel hierfür ist die Umweltkatastrophe von Deepwater Horizon. Dabei handelte es sich um eine amerikanische Ölplattform im Golf von Mexiko. Im April 2010 kam es hier zu einem Unfall mit katastrophalen Folgen. Elf Menschen starben auf der Plattform, große Mengen Öl flossen ins Meer. Das Öl führte zu einer gewaltigen ökologischen Katastrophe. Millionen Tiere verendeten und ein Großteil der Küstenabschnitte wurde massiv verschmutzt. Zahlreiche Firmen und Mitarbeiter waren an den Aufräumarbeiten beschäftigt. Der Plattform-Betreiber BP bezahlte zig Millionen Dollar für die Aufräumarbeiten, welche so in die amerikanische Wirtschaft flossen. Kein Wunder, das BIP stieg in diesem Jahr stärker als erwartet. Sind Ölkatastrophen nun also förderlich für den Wohlstand? Erhöhen sie vielleicht sogar die Lebensqualität?

Was ich damit sagen möchte ist, dass zu Wohlstand viel mehr gehört als Geld. Auch ökologische und soziale Faktoren spielen eine massive Rolle dabei. Unberührte und intakte Natur muss als schützenswerte Ressource angesehen werden und nicht als ungenutzte Kapitalanlage.

Soziale und ökologische Marktwirtschaft als nachhaltiges System

Um hier jetzt den Kreis zu schließen und wieder auf die anfängliche Problematik zurückzukommen:

Was ist denn nun richtig, wenn antikapitalistische Lösungen schlichtweg unrealistisch sind und ein auf maximalen Gewinn fixiertes kapitalistisches System unsere Lebensgrundlage zu zerstören droht?

Die Antwort lautet: Das System welches wir im Großen und Ganzen haben (sollten).

Meiner Meinung nach ist die soziale und ökologische Marktwirtschaft das nachhaltigste System sowohl in ökologischen als auch in sozialen Fragen. Grundsätzlich orientiert sich hierbei die Wirtschaft an einem größtenteils freien Weltmarkt. Die Aufgabe des Staates ist es hier Rahmenbedingungen zu erstellen, zu regulieren und „rote Linien“ zu bestimmen, um die Wirtschaft auf eine nachhaltige und soziale Bahn zu lenken. Ein gutes Beispiel ist hier ein Preis für den Ausstoß klimaschädlicher Gase. Durch diese Regulierung wird die Umwelt und das Klima zu so etwas wie einer Ressource. Wer klimaschädigende Gase ausstößt „verbraucht“ sozusagen diese Ressource und muss dafür auch den reellen Preis zahlen. Dadurch wird der ansonsten frei Markt in eine klimaschonende Richtung gelenkt, da Klimaschutz so schlichtweg günstiger ist als kein Klimaschutz. Auch klare rote Linien, wie zum Beispiel ein Enddatum für den Verbrennungsmotor helfen der Wirtschaft eher, als dass sie schaden. Denn sie geben Planungssicherheit. Auf diese Weise wissen Konzerne, wenn sie ab 2030 keine Autos mit einem solchen Motor verkaufen dürfen, worauf sie sich einstellen müssen und könnten dies dann auch einplanen. Doch gerade diese Planungsunsicherheit und das künstliche am Leben erhalten von nicht zukunftsfähigen Technologien könnten der Wirtschaft sogar massiv schaden. Hier kann man auch wieder die deutsche Autoindustrie als Beispiel benutzen. Der Markt verändert sich und eine nicht zu vernachlässigende Anzahl europäischer Länder hat bereits feste Endtermine für den Verbrennungsmotor bestimmt. China, einer der größten Absatzmärkte für die Autoindustrie, welche auch von ihrem starken Export lebt, setzt sehr stark auf Elektroautos. Auch viele asiatische Hersteller beschäftigen sich schon seit längerem mit vor allem mit der Brennstoffzellentechnik.

Wenn die deutsche Autoindustrie in der Zukunft noch eine globale Rolle spielen möchte, sollte sie sich stärker mit diesen neuen Technologien beschäftigen und der Staat sollte dabei unterstützen und klare Linien vorgeben.

Zusammenfassend kann man auf die Problematik vom Anfang sagen, dass hier, wie bei so vielen anderen Dingen auch der sinnvollste Weg wohl in der Mitte liegt. Radikale antikapitalistische Konzepte sind in einer globalen Weltwirtschaft vor allem eins, nämlich unrealistisch. Hier müsste eine große Anzahl von Ländern an einem Strang ziehen und sich vom Kapitalismus komplett lossagen, das wird aber in absehbarer Zukunft nicht geschehen.

Genauso schädlich ist der absolut freie Markt, in welchem keine Rücksicht auf den Klimaschutz genommen wird. Dieses System verspricht vielleicht kurzfristig den größten finanziellen Gewinn, doch langfristig führt es zu massiven ökologischen Schäden und großen sozialen Verwerfungen.

Eine regulierte, an sozialen und ökologischen Aspekten ausgerichtete Marktwirtschaft scheint hier also der sinnvollste Weg zu sein. Der Staat bestimmt Rahmenbedingungen, definiert rote Linien und benutzt Lenkungsinstrumente um die Wirtschaft und den Markt nachhaltig auszurichten.

Dieses Konzept erscheint mir als das sinnvollste und im Angesicht einer Situation, in der schnell gehandelt werden muss um den Klimawandel unter Kontrolle zu bringen, auch als das realistischste.